Ein mein Tag

Vor einigen Jahren habe ich regelmäßig eine Community im Netz gelesen, wo Leute aus ganzer Welt einen ihren Tag in Bildern dokumentierten und kommentierten. Da wurde mir die Power des Internets klar. Man konnte in unbekannte Welt anderer Berufe, Lebensweisen und Kulturen für einen Augenblick eintauchen: Bohrmaschinentechniker in Katar, Reiseleiterin in Tonga oder LKW-Fahrer in Alaska.

Die Idee, selbst am Projekt teilzunehmen und einen meinen Tag festzuhalten, habe ich lange getragen. Eine gute Möglichkeit war diesjähriger „Tag der Logistik“, der am 18. April weltweit stattgefunden hat. Ich bin aber aufgrund dringender Termine in Bremen geblieben (ein Bürotag wäre leider nur meiner Mutter angesichts meiner Aufnahme von lebenswichtigen Nahrungsmitteln interessant). Ganz spontan habe ich an diesem Montag im Zug entschieden, meinen Tag unterwegs (foto) zu dokumentieren. Das Reiseziel war Karlsruhe und die zweite Sitzung vom Arbeitskreis zu Lean Management im Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme.

1.

IMG_5070

Für die Bahnreise (ca. 5,5 Stunden) habe ich dutzend Transportzeitschriften mitgenommen. In der Vereinigung bekommen wir täglich zahlreiche Printmedien zu Themen Transport und Logistik. Ein Luxus, den ich sehr schätze. Das Buch zur Natur von Gewohnheiten war aber allen anderen Reise-Lektüren überlegen. Schon paar Tage her, als ich mit dem Lesen angefangen habe, und es ist auch der Grund, warum ich nicht ausschlafe: es fesselt! Bald muss ich mir wahrscheinlich eine neue Gewohnheit beibringen, das Buch am späten Abend nicht anzufassen. Der Gesundheit zuliebe.

2. IMG_5071

Je südlicher man fährt, desto sonniger wird es. In Bremen versteht man unter Sommer etwas anders als im Rest der Republik: Regen wird wärmer. Vorausgesetzt verpasst man diesen Tag nicht :) In Fulda scheint die Sonne und ich lenke mich vom Buch ab.

3. IMG_5074

Ich fahre weiter. Das Buch vertieft sich ins Thema der schlechten Gewohnheiten. Unfreiwillig mache ich einen internen Audit und sehe in mir ein Verbesserungspotenzial. Das Buch lege ich beiseite. Jemand vor mir hat eine Frauenzeitschrift am Sitzplatz hinterlassen. Ich sehe ein Cover-Bild mit Aprikosen-Tarte drauf und gehe dem Impuls nach (eine schlechte Gewohnheit!), das Rezept anzuschauen und eventuell abzuschreiben. „Wir essen nicht. Wir geben Kalorien ein Zuhause!“

4. IMG_5075

Diese Brücke habe ich während meines Praktikums in Hanau mehrmals am Tag befahren. Nun, jedes Mal wenn ich am Ort vorbeifahre, erinnere ich mich dran, wie ich am Praktikumsbeginn Spedition live kennen lernte: Carnet-TIR ausfüllen, AEO vorbeireiten oder Lieferscheine ins Ausland faxen (so viel zu EDI). Lehrreiche Zeit und sehr stark befahrene Brücke.

4. IMG_5088IMG_5089Angekommen in Karlsruhe fahre ich direkt ins Hotel, das sich im Stadtteil Durlach befindet. Der Ort hat einen künstlerischen Hauch. Gemälde von Kandinsky und Marc sollten den Aufenthalt für Hotelgäste angenehmer gestalten. Mein Zimmer ist dazu noch „Orientalisch“. Ich überlege ein bisschen, ob es ein persönlicher Service war oder ein reiner Zufall, und gehe schlafen.

5. IMG_5084

Positive Gedanken am frühen Morgen sind zweifelsohne gut. Erst gestärkt mit einem Frühstück haben sie aber mehr Wirkungsgrad. It is time to break the fast.

6. IMG_5085

Nach einem Kaffee ist die Welt wieder in Ordnung. Sonniger Karlsruhe gefällt mir immer mehr.

7.

IMG_5092

Das Karlsruher Institut für Technik (kurz: KIT) entstand als Zusammenschluss der Universität Karlsruhe und dem Forschungszentrum Karlsruhe. Das war im Jahr 2009. Inzwischen belegt das KIT einen Stammplatz in diversen Ranglisten für die besten technischen Universitäten Europas. Im KIT muss weiter ins Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme. Zusammen mit dem Taxi-Fahrer suchen wir im Campus ein Gebäude mit roten Streifen. An dieser Stelle möchte ich mein Lob/Danke an Frau Schwab vom Institut ausrichten. Nur solche Ortsbeschreibungen können Menschen mit wenig ausgeprägtem Orientierungssinn wie die Autorin dieses Blogs helfen. Ich finde den Ort schneller, als der einheimische Taxi-Fahrer.

8. IMG_5093Die Sitzung beginnt pünktlich. Hier eine kurze Geschichte zu BVL-Arbeits- und Themenkreisen. Die BVL war und ist im Grunde genommen ein Netzwerk von Experten. Entsprechend kam eines Tages der Gedanke: warum die Personen nicht zusammenbringen, die ähnliche Themen bewegen? Warum Kooperation innerhalb des Vereins für gemeinsame Zwecke nicht nutzen? Die Idee setzte sich erfolgreich durch. Bis heute sind 13 Arbeitskreise abgeschlossen und zwei Themenkreise laufen aktuell. Der größte Unterschied zwischen beiden ist der zeitliche Verlauf. Arbeitskreise bearbeiten ein spezifisches Thema nur eine beschränkte Zeit, in der Regel sind es 12 Monate. Das hat im letzten Jahr die Gruppe unter wissenschaftlicher Leitung vom Professor Kai Furmans auch getan. Lean Prinzipien sind im Lagerbereich wenig verbreitet (im Vergleich zur Produktion). 13 Unternehmen aus Industrie, Handel und der Logistikdienstleistung sind daher zusammengekommen und haben Erfolgsfaktoren für Lean Warehousing identifiziert. Anschließend wurden sie in Pilotprojekten umgesetzt. Die Ergebnisse waren so positiv (zusammengefasst in diesem Buch), dass man jetzt erarbeitete Konzepte an mehreren Standorte ausrollt. Als Vorgeschmack: es geht um ca. 80 Läger weltweit. Darüber werde ich noch öfter berichten.

9. IMG_5094

Ich bekomme einen Flaschenöffner von Professor Furmans geschenkt. „Von der IFL zur BVL!“ Danke.

10. IMG_5091IMG_5096Nach der Sitzung springe ich ins Taxi ein und bete innerlich, dass sich die Bahn heute gezielt verspätet (schon vorab: die DB macht nicht mit). Im Taxi versuche ich vergeblich was von der Stadt mitzubekommen. Der Fahrer wurde von meiner Hektik infiziert,  rast fährt schnell und nur kurze Wege, die natürlich außerhalb der Hauptstraßen und Sehenswürdigkeiten liegen.

11. IMG_5097

Am Bahnhof habe ich jetzt Zeit bis zum nächsten Zug Richtung Norden. Im Buchladen finde ich ein Moleskine-Notizbuch, wo man seine Erfahrungsberichte über besuchte Restaurants und Cafes aufschreiben kann. Sowas gibt’s auch! Moleskine ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie man die Produktlinie erweitert. Inzwischen sind Notizbücher für Yoga-Kurse oder für die Reiseplanung (Kapitel „Was kommt in den Koffer…“) zu finden.

12. IMG_5100Im Zug meldet sich das schlechte Gewissen und ich lese die mitgenommenen Zeitungen. In der aktuellen „CHEManager“ finde ich die Umfrage der mittelständischen Chemie- und Pharmaunternehmen zur Internationalisierung. Eine interessante Aussage der Mittelständler: internationale Kunden sollen nicht nur auf „Made in Germany“ einen großen Wert legen, sondern „Managed in Germany“ gewinne an mehr Bedeutung. Man bevorzuge, dass deutsche Experten auch die Produktionsprozesssteuerung übernehmen.

13. IMG_5104

In der Automobilwoche (Ausgabe 14.-24. Juni 2013) erfahre ich zu meinem Erstaunen, dass nicht alle OEMs übliche Werksferien im Sommer haben. Daimler wird voraussichtlich rund 4500 Ferienarbeiter einstellen. Die Nachfrage sei sehr groß. Produktion bei VW in Wolfsburg ruht aber drei Wochen.

Fast pünktlich nur 6 Minuten komme ich in Bremen an. Am Abend schaffe ich weitere 50 Seiten des „The Nature of Habits“-Buchs. Ausschlafen kann man auch am Wochenende :)

Advertisements

3 Gedanken zu “Ein mein Tag

  1. Danke :) Aber gerne, mein Notizbuch mit Rezepten (kein Moleskine aber!) schaut mich täglich an. Nach dem Urlaub wird’s gebacken. Ihr seid vorgewarnt!

Ich freue mich auf jedes Feedback!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.