Wahl-oh-Wahl

2013-08-31 14.46.48Dior Vernis in Farbe 638 „Aloha“, Bremen 2013

Unbenannt

Impressionismus-Kalender, Bremen 2013

Was haben die beiden Bilder zusammen? meine Hand, die sie aufnahm Beide spielen sich im September. An der Bundestagswahl am 22. September darf ich nicht teilnehmen und muss somit keine Entscheidung treffen. So macht es Spaß, den Wahlkampf zu verfolgen. Heute möchte ich Gedanken zu einigen Themen der Wahl mit Ihnen teilen.

1. Text und Klartext
Ich bin unparteiisch und das ist kein Generationsmerkmal. Oder wie neulich in einer Zeitung gesehen: „politisch heimatlos“. Zu keinen eindeutigen Präferenzen habe ich noch keinen Fernseher, woran GEZ bestimmt nicht glaubt. Diese Tatsache erschwert mir das Miterleben der Vorwahlzeit. Das Fernsehduell zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Herausforderer konnte ich noch auswärts sehen, die ARD-Wahlarena hingegen habe ich verpasst, aber Kommentare in Printmedien gelesen. Dank des Handelsblatts (Nr. 177) konnte ich zur Wortwahl vom Herrn Steinbrück was erfahren. Der Journalist Simon Book behauptet, dass der Kanzlerkandidat den Zuschauerintellekt in der Sendung mit seiner Sprache gefordert hat. Da listet Book einige Beispiele auf: „Überförderungstatbestände“, „Erwerbspersonenpotenzial“, „dämpfende Effekte“, „arbeitsplatzschaffende Wirkung“. Mein Favorit von Herrn Steinbrück ist: „Ich werde eine Aussage treffen, die verbindlicher Art ist“. Nächstes Mal, wenn ich etwas versprechen möchte, aber nicht ganz sicher bin, dann greife ich darauf zurück.
Das gefällt mir an der Bundestagswahl. Eine aufregende Zeit für Reden- und Textschreiber. Deutsch als Inbegriff der Klarheit, Aufrichtigkeit und Präzision öffnet seine anderen, bisher unbekannten Facetten.

2. Wahlbeteiligung
Ich bin neugierig nach Statistiken. In Demokraturen lese ich gern die Anzahl von Wahlverfälschungen (OSZE hat ein gutes Auge!), in Demokratien interessiert mich die Wahlbeteiligungsquote. Ist Deutschland politisch bewusst? Hier findet man eine Antwort in Zahlen. Was ich beobachte: in autoritären Gesellschaften geht man nicht wählen, weil bei Wahlen „alles sowieso manipuliert wird“. In demokratischen Ländern geht man nicht wählen, weil nach Wahlen „alles sowieso nicht geändert wird“. Der kleine, feine Unterschied.

3.  Agitation
Die Wahlkampagnen fand ich wenig spannend. Grünen hatten beispielhaft ganz normale Plakaten mit Ressourcen-verschwendung: ähnliche Holzständer wie bei Union oder SPD und aus keinem Bio-Papier. Piraten fielen mir nur auf, weil ich ihre „Mindestsicherung“ als „Mindset-Sicherung“ stets gelesen habe. Auf die Alternativen wurde ich dadurch aufmerksam, dass ihre Facebook-Seite gesponsert wurde. Von anderen (<5% FDP) ist ganz zu schweigen. Ach, die Rechten haben mir im Briefkasten ihre Wahlprogramme geschmissen. Angesichts meines Namens – Ressourcenverschwendung!

4. Themen
Dauer-Themen sind/waren (gerade ist Freitagabend) Steuer, Arbeit und Infrastruktur (oder bin ich betriebsblind?). Britische Politologen machten sich lustig über Veggie-Donnerstag und andere Nicht-Dauer-Themen. Die Botschaft klang: „Gibt es nichts Wichtigeres in diesem Wahlkampf?“ Das Verhalten der Parteien fand ich eher gelassen. Wie das Verhalten von Angela Merkel im TV-Duell. Bei Themen ändert sich nur ihre Aktualität. Entscheidend ist der Fleiß vom Wahlteam. In der Schulzeit wurde ich zum Schüler-Stadtparlament gewählt. Von 1100 Wähler haben 958 ihre Stimme für mich abgegeben die 152 suche ich bis heute noch. Hatte ich ein besonderes Wahlprogramm? Nein. Die Dauer-Schulthemen: Abschaffung der Schuluniform, Verlängerung der Unterrichtspausen, mehr Auswahl an Fächern. Die fast demokraturischen Ergebnisse sind nur einer sportlichen Wahlarbeit zu verdanken. Jeden Tag hatte ich mindestens fünf Reden gehalten. Und im Paint (vom Windows 2000) mich als Kosmonaut bekleidet und dann vor Schulküche dutzende Plakate ausgehängt. Also, im Osten gab es nichts Neues. 2013 im Westen auch nichts.

Ein schönes Wahlwochenende.
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