Produktion 2050

Das Government Office for Science aus London hat Ende Oktober seine Studie zur Zukunftsproduktion in Großbritannien veröffentlicht. Sie beschäftigt sich mit Entwicklungen der britischen Industrie zwischen heute und 2050. Viele Thesen finde ich auch für die deutsche Industrie interessant. Folgend fasse ich fünf wichtigen Trends zusammen.

1) Deindustrialisierung
1966 waren in Großbritannien mehr als neun Millionen Menschen in der produzierenden Industrie beschäftigt. 2011 waren es weniger als drei Millionen. Der Produktionsanteil in der Wirtschaft geht zurück (10% in 2011 gegen 20% in 1990). Das Expertenpanel der Studie betont, dass „Manufacturing is no longer just about production. Production is now the core of a much wider set of activities.” Die Rolle von Dienstleistungen nimmt zu. Der Gewinn wird nicht allein durch Produkte erzeugt, sondern durch After-Sales-Services oder „remanufacturing“.

2) Reshoring
Britische Firmen bringen ihre Produktionswerke zurück in die Heimat. Der Grund  dafür sollte steigende Lohnkosten in typischen Outsourcing-Ländern wie China, Indien usw. sein. Aktuelle Beispiele sind z.B. Hornby, der Spielzeughersteller, der bereits 60% der Produktion von seinem Humbrol-Model aus China zurückgelagert hat; Laxtons, ein Unternehmen aus Yorkshire oder Bathrooms.com. Reshoring wird erst möglich, wenn die Qualität und Lieferzeit für Kunden entscheidend sind.

3) Innovative Technologien
Neue Technologien sind A und O fürs Überleben der produzierenden Industrie. Dabei geht es z.B. um Verwendung von Nanopartikeln, Robotern. Der Trend geht zu small-scale-Produktion. Da werden 3D-Drucker wichtige Rolle spielen. Schon heute kostet ein Drucker weniger als 2000 US Dollar, später werden sie noch erschwinglicher.

4) Sustainability
Der Studie-Leiter – Sir Richard Lapthorne prognostiziert, dass sich kein Industrieunternehmen in Zukunft leisten kann, „to throw things away“. Refurbishing wird auch für Logistik interessant (auf dem letzten Kongress hatten wir eine Fachsequenz dazu. Die Materialien findet man in der Mediathek).

5) Personal
Die Industrie in Großbritannien wird weniger Personal direkt an Werken brauchen. Dabei schafft sie Arbeitsplätze entlang der ganzen Wertschöpfungskette und in der Reverse-Supply-Chain. Die Fachkräftemängel werden auch sichtbar. Bis zu 2020 werden ca. 800.000 Industrie-Arbeiter in die Rente gehen oder die Branche wechseln. Die Lücke sollte mit neuer Generation gefüllt werden. Dabei können technische Berufe mit anderen Wirtschaftszweigen wie Finanzen nicht konkurieren. In sechs Monaten nach dem Studium-Abschluss landen heute nur 25% der Ingenieuren in der Industrie.

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