Wann rockt die Region?

Die lokale Bremer Radiostation wirbt für ihre Morgenshow, indem sie tagsüber regelmäßig ankündigt: „Das haben Sie heute Morgen verpasst!“. Letzte Woche war der Ulmer Logistiktag, was ich mitorganisierte und den Verlauf in sozialen Medien aktiv berichtete. In Anspielung auf den Radiosender möchte ich heute erzählen, „was Sie verpasst haben!“ 😉

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Ausstellung am Ulmer Logistiktag (c) Armin Buhl

Die süddeutsche Region und seine Logistik rocken: rund 34.000 Jobs sollten an die Logistik hängen (Quelle). Vielleicht auch deswegen war die Resonanz auf die Veranstaltung sehr groß. Rund 260 Besucher konnten wir begrüßen. Die Redner-Truppe war erstklassig, darauf bin ich ohne jegliche Bescheidenheit stolz 🙂

Folgend fasse ich einzelne Punkte aus den Reden zusammen, die ich interessant fand (also, Gesamtinhalte der Vorträge stehen nicht im Fokus dieses Blogs).

1. Impulsvortrag vom Professor Pfohl, dem Autor meines ersten Lehrbuches zur Logistik:

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Supply Chain Management – der ganz normale Wahnsinn? Werbeplakat eines IT-Anbieters.
  • Zero-Bestände sind gut in der Theorie, leider in der Praxis nicht möglich. Man soll versuchen, die Gesamtkosten niedrig zu halten. Das ist die Kernaufgabe.
  • Eine aktuelle Frage bei Multiple Sourcing ist, wie viele Informationen Partner miteinander austauschen sollen. Welche konkrete Daten sind für ein Unternehmen relevant (und nicht „take it all“ und big, big data).
  • Magisches Dreieck der Kostensenkung: Mitarbeiter – Organisation (Prozesse) – Technologie (Software). Möchte man Kosten reduzieren, sollte man an drei Faktoren gleichzeitig drehen. Ein gängiger Fehler ist es, sich nur auf eine Seite zu konzentrieren.
  • Globalisierung findet mehr in den Regionen statt. Man produziert in einem Gebiet, findet da entsprechende Zulieferer. Von daher geht der interkontinentale Verkehr auch zurück.

2. Herr Dr. Christian Büssow von Knorr-Bremse:

Dr. Büssow über Anforderungen an die globale Beschaffung, (c) Armin Buhl
Dr. Büssow über Anforderungen an die globale Beschaffung (c) Armin Buhl

Der Vortrag von Dr. Büssow war sehr umfangreich. Unter vielen Notizen möchte ich nur eine Phrase hervorheben, die meine Gedanken zur Informationsströmen von heute genau wiederspiegelt: „Informationsflut führt zur Wissensarmut“. Wie wahr.

3. Herr Axel Flechtenmacher von KUKA:

Axel Flechtenmacher von KUKA Roboter zu Produktionsnetzwerke, (c) Armin Buhl
Axel Flechtenmacher von KUKA Roboter zu Produktionsnetzwerke (c) Armin Buhl
  • Es bleibt immer noch ein großes Zielkonflikt zwischen Finanzen und Logistik: keine Kapitalbindung in Beständen, aber bitte hohe Produktions- und Liefersicherheit.
  • KUKA eröffnete ein Produktionswerk in China nicht aus Lohnkostengründen, sondern mit dem Ziel, chinesische Kunden schneller bedienen zu können.
  • „Roboter = Jobkiller“ bleibt eine weit verbreitete Meinung in Gesellschaft. Immer noch?..
  • KUKA ist für die lokale Einkaufsorganisation, um die Komplexität zu reduzieren.

4. Herr Jürgen Lochner von Voith brachte eine (für mich) neue Idee, dass man Unternehmenskultur standardisieren kann.

Lochner von Voith: Standarte sind dynamisch, (c) Armin Buhl
Lochner von Voith: Standarte sind dynamisch (c) Armin Buhl

5. Herr Armin Breitner von Würth erwähnte den

  • Servicegrad in Höhe von 98,5% bei Lieferzeiten 24/48h. Das ist aber eine Leistung!
  • Zum ersten Mal hörte ich den Ausdruck „Kennzahlen-Kosmetik“ in Bezug auf die Bestandssenkung. Dazu gehört beispielsweise externe Zwischenlagerung von Bestellungen.
  • Das A und O im Bestandsmanagement ist die Datenpflege, dann die Datenpflege und abschließend – die Datenpflege.

    Leiter Konzernlogistik von Würth Armin Breitner über Bestandsmanagement, (c) Armin Buhl
    Leiter Konzernlogistik von Würth, Armin Breitner über Bestandsmanagement (c) Armin Buhl

6. Herr Florian Knell von Ravensburger hielt eine dynamische Rede. Man konnte seine Sorgen als Vorstand gut spüren: der Hersteller von Gesellschaftsspielen und Puzzles gehört zur Konsumgüterindustrie. Das heißt im Klartext: Konkurrenz gegen andere Convenience Goods wie Handseifen oder Zigaretten. Er betonte die große Rolle vom Marketing und Vertrieb in der Wertschöpfung seiner Produkte. Dazu las ich gestern einen Artikel zu Lego. Da kam auch heraus, dass es bei der Spielzeugfirma weniger um die Produktion geht, sondern um die PR und Marketing. Nach Herrn Knell soll Produktmarketing dezentral organisiert werden. Local knows it best.

(c) Ravensburger
Tiptoi (c) Ravensburger

Dann erfuhr ich über den Stift „Tiptoi“. Besser gesagt ist Tiptoi ein interaktives Lernspiel, was aus einem elektronischen Digitalstift und einem Spielbrett, Buch oder Puzzle mit digitalem Papier besteht. Der Stift hält man auf einer bedruckten Oberfläche. Er erkennt dann am Punktraster, welche Stelle angetippt wurde und spielt Audio ab. In Deutschland sollen im Jahr rund 540.00 Babys zur Welt kommen. Ravensburger konnte in den letzten 3 Jahren fast 1 Mio. Stifte verkaufen. Eine Tiptoi-Generation? 🙂

7. Herr Sascha Menges von Husqvarna (feierte am Vortag seinen Geburtstag, herzlichen Glückwunsch nachträglich!) hielt den Schlussvortrag. Sehr spannend fand ich die Geschichte vom Husqvarna-Bestseller in China. Der sollte nicht die Gartenprodukte wie in Europa sein, sondern Autowaschbürsten! Der Automarkt boomt. Millionen von Chinesen wollen ein eigenes Auto, das auch gewaschen werden muss.

(c) Gardena
(c) Gardena
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