Drei (doofe) Fragen zum E-Commerce, die Sie sich mal gestellt haben

Ich interessiere mich für den Online-Handel, lese regelmäßig die Fachpresse, spreche mit Experten und bestelle fleißig bei unterschiedlichen Anbietern (alles für den Job 😉 ). Irgendwann stellte ich mir Fragen, die auf dem ersten Blick banal und doof vorkamen. Ich suchte nach Antworten im Netz und stellte fest, dass ich nicht die Einzige war. Hier ist meine Liste mit drei profanen Fragen an den Online-Handel.

1) Warum haben Drogerien keine Online-Shops?

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Logistikkosten für drogistische Produkte sind nicht rentabel.

Die Gewinnspanne vom Verkauf der Alltagskosmetikartikeln ist zu gering, um Logistikkosten abzudecken. Es ist klar, dass eine Zahnpasta weniger als ihre Anlieferung kostet. „Menge macht’s“ wäre aber eine Annahme gewesen: Drogerien sollten nur einen Mindestbestellwert definieren und auf Online-Shopper warten. Das Kundenverhalten war aber anders. Anstatt ein breiteres Produktangebot zu bestellen griffen sie auf die Artikel wie Windeln, Tiernahrung und Waschmittel zu. Sie sind voluminös, schwer, aber vor allem margenschwach. Dm sagte dazu, dass es „keine entsprechende Spanne“ entsteht, „die man braucht, um die Logistik zu finanzieren“. Aus diesem Grund sollen wir für Schönheitspflege-Artikel noch in die Drogerien um die Ecke gehen. Sie gibt es in Deutschland zum Glück genug.

2) Warum bestellen Deutsche wenig Lebensmittel online?

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Online Lebensmittelhandel in Deutschland hat viele Hürden.

Dafür gibt es Gründe von beiden Marktseiten. Die Kunden können bis heute kein Obst und Gemüse online bestellen. Dafür gehen sie in Supermarkt-Filiale in ihrer Nähe. Wenn man schon da ist, besorgt man eben Joghurts und Fleisch. Exklusion einer Warengruppe führt zur Exklusion des ganzen Vertriebskanals. In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern eine hohe Dichte des Supermarktnetzes. Wie JJ van Oosten von Rewe Digital auf dem Deutschen Logistik-Kongress meinte, Kunden wären die Gewinner des Lebensmittelmarktes: für sie wurde es billiger, bei größerer Auswahl und frischeren Produkten, in immer näheren Filialen. Die Händler selbst kämpfen um relativ kleinere Margen (beachtet den aktuellen Preiskrieg von Discounter!) und fragen sich, wie die Logistikkosten niedrig gehalten werden können. Die Frischelogistik (temperaturgeführt) ist auch keine günstige Angelegenheit. Nicht zu vergessen ist das emotionale Erlebnis in stationären Läden: wie sieht ein Steak denn seitlich aus? Wie riechen frisch gebackene Brötchen an der Brotecke? Welche Käsesorte empfiehlt heute die nette Verkäuferin? Das fehlt beim Online-Kauf.

3) Warum stellt man Pakete nicht abends zu, wenn Berufstätige zu Hause sind?

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Auszug aus der Befragung „Street Lab“ vom eBay-Projekt „Zukunft des Handels“

Die Schuld für überschaubare Angebote der Abend- oder Wochenendzustellung ist die schnelle Entwicklung des E-Commerce. Alleine in 2014 sollte er um 24,8% wachsen. Die Dienstleister kommen einfach nicht hinterher. Sollte man aber in Hamburg, Stuttgart, Berlin oder München wohnen, da ist die Möglichkeit da, nach Feierabend gelbe Boxen doch von der Postbote selbst zu bekommen und nicht vom Nachbar.

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3 Gedanken zu “Drei (doofe) Fragen zum E-Commerce, die Sie sich mal gestellt haben

    1. Hallo Herr Garmatz, vielen Dank für Ihr Kommentar sowie für die Frage. Ich habe bisher zugegeben nie über die Online-hops von Möbelhäusern und Baumärkte nachgedacht. Man konzentriert sich auf die im Netz meistverkauften Waren: Bekleidung, Elektronik oder eben Lebensmittel. Ich vermute, dass die Rentabilität auch hier der Hauptgrund ist. Der Aufpreis solle wohl ausreichen, dass auch nach Versandkosten Gewinn übrig bleibt. Was denken Sie?
      p.s. Habe eben Ihren Versandkostensimulator angeschaut – tolle Hilfe.

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