Kellogg und 5S

zhreibt_Kellogg-Corn-Flakes
Quelle

Vor einem Jahr fuhr ich jeden Tag in der Straßenbahn am Bremer Werk von Kellogg vorbei. Ich stellte mir die Tonnen von Cornflakes hinter den Wänden des Lagergebäudes vor. Gesüßt, vielleicht mit Schokoladenstücken und in Ruhe verzehrt am Frühstückstisch. Genussvolle Bilder waren im Kopf. Seit diesem Mittwoch, als ich den Kellogg Werkleiter – Herrn Frerich-Sagurna getroffen habe, verwandelten sich diese in Bilder strenger Disziplin.

Im Industrie-Club Bremen erzählte Herr Frerich-Sagurna über die Einführung von Lean Prinzipien im Unternehmen. 2011 startete das Lean Projekt mit dem Ziel des Kulturwechsels. „Hach!“ sagt jeder, denkt aber zunächst an Kostenreduzierungen. Die Kosten hat Kellogg tatsächlich verringert durch bessere Maschinenauslastung, Bestandsminimierung u.ä. Der Auslöser für die Verbesserungen war jedoch die Arbeitskultur im Unternehmen. Natürlich war ich hochgespannt, wie Kellogg seine „Lean Journey“ gestaltet hat, nachdem ich bereits über 20 Projekte zu Lean Umsetzungen gesehen habe (hier und hier zum Beispiel). Wundermittel? Top Secret? Geheimwaffe? Nein. Die klassischen 5S und ihr konsequentes Exekutieren (fürchterlich klingendes, aber mein Lieblingswort!) waren der Schlüssel zum Erfolg.

Die 5S wurden vom Japaner Taiichi Ono entwickelt und sind ein Bestandteil des Toyota-Produktionssystems. Hier ist meine kurze Erklärung dieser Begriffe am Beispiel des täglichen Lebens:

1) Seiri
Bedeutet „Aussortieren“. Am Arbeitsplatz oder in der Wohnung werden alle die Dinge aussortiert, die für die Arbeit und im Leben nicht unbedingt benötigt werden: Altes Geschirr, Kleidung, die man nicht trägt, Vasen, die man hasst – alles raus!

2) Seiton
Bedeutet „Richtig hinstellen“. Jedes Werkzeug, in unserem Fall jedes Objekt in der Wohnung, bekommt seinen definierten Platz. In Werken sollten sie zudem visuell gekennzeichnet werden. In der Wohnung können Sie die Markierung wohl lassen (wobei wer möchte ;)), aber den Platz bitte fest, fest merken.

3) Seiso
Bedeutet „Säubern“. Regelmäßige Reinigung vom Arbeitsplatz und der Wohnung… ist klar, oder?

4) Seiketsu
Bedeutet „Sauberkeit bewahren“. Stetiges Aufräumen ist ein Muss. Im Englischen nennt man es „standardized cleanup“. Im Privaten sprechen wir über stetige kleine Putzpartys und nicht erst dann, wenn man Lust und Zeit dazu hat (im Klartext: nie).

5) Shitsuke
Meiner Meinung nach der entscheidende Punkt: Disziplin, um die vorher genannten vier Punkte durchzuführen.

Am Ende seines Vortrags zeigte Herr Frerich-Sagurna das Bild von seinem Arbeitstisch. Keine Papierberge. Das Bild von diesem Lean Zustand soll wohl auch an der Bürotür draußen hängen. Jeder im Werk könne da reinkommen und den Ist-Zustand mit dem Bild vergleichen. „Sie stimmen fast immer“, so Frerich-Sagurna.

Abschließend noch ein paar interessante Fakten zu Kellogg:
1) Das Kellogg-Werk in Bremen ist der einzige Produktionsstandort mit eigenem Hafen weltweit (!). Deshalb werden auch ca. 50% aller Rohstoffe per Schiff angeliefert. Kellogg hält mit dieser Maßnahme jährlich mehrere hundert LKW von der Straße fern.
2) Die Produkterneuerungen mit wenig Zucker und vielmehr Ballaststoffen werden schlechter verkauft. Das Snack-Geschäft der Gruppe wächst aber stetig.
3) 90% der Mitarbeiter aller Levels aus der Produktion und Administration sind nach Lean geschult.

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