Ist Wiesenhof ein Tierquälerei-Betrieb? Teil 2

Im ersten Teil des Blogbeitrags zu Wiesenhof berichtete ich über die Besichtigung des Schlachterei- und Verarbeitungsbetriebs in Lohne. Heute gehe ich auf die Hauptthesen der Tierhaltung ein, welche Wiesenhof vorgeworfen werden und wie sich das Unternehmen dazu aufstellt.

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Provokative Frage im Konferenzraum bei Wiesenhof

Die Reportagen mit gequälten Tieren wurden hauptsächlich in Ställen der Zuchtbetriebe gemacht. Interessant ist es, dass Wiesenhof selbst keine Tiere züchtet. Sie haben rund eintausend Lieferanten – Mastbetriebe in Niedersachsen, Ostdeutschland und Bayern, die von Wiesenhof (PHW-Gruppe) selbst mit Küken und Tierfutter versorgt werden. Analog zu einem OEM könnte man die Frage stellen, ob es möglich wäre, beispielhaft die Einhaltung der Arbeitssicherheit bei eintausend Zuliefern sicherzustellen? Kann man zum Beispiel Honda ein fahrlässiges Unternehmen nennen, da sein Lieferant Takata defekte Airbags lieferte, die vielen Menschen das Leben kostete? Oder in der Fussball-Welt: dürfen wir Werder Bremen als rechten Verein abstempeln, da seine Ultras mit rechtsradikalen Plakaten und Verhalten für Unruhe im Stadion sorgten? Ich möchte die Verantwortung von den Hauptfiguren überhaupt nicht nehmen. Als größter Produktabnehmer von Mast- und Zuchtbetrieben muss Wiesenhof für die Einhaltung der Standards, sei es Hygiene oder Haltungssysteme, sorgen. Das tut das Unternehmen auch (z.B. „Wer Tiere quält, fliegt sofort raus“). Die Unternehmensgröße kann sich somit für Wiesenhof in einen Nachteil umwandeln. Als die größte Fleischmarke in Deutschland steht Wiesenhof daher insbesondere unter der Lupe der Öffentlichkeit und soll jeden Vorfall in Zuchtbetrieben auf sich nehmen.

Aktuelle Fragen der Fleischindustrie
In Gesprächen bei der Wiesenhof-Besichtigung fand ich folgende Punkte der Tierhaltung am meisten interessant:

1) Antibiotika und Bio-Fleisch
Wussten Sie, dass 90% der Puten in Deutschland Antibiotika bekommen? Die Hähnchen sind ein Stück „sauberer“. Bei Wiesenhof werden 50-60% der Hähnchen nicht mit Antibiotika behandelt. Das Ziel ist 70%. Überraschend fand ich die Diskussion zum Bio-Fleisch. Das Gesetz schreibt vor, dass für Bio-Fleisch nur eine Antibiotika-Behandlung erlaubt ist. Das sei ziemlich vage formuliert: eine Behandlung kann ja alle 81 Aufzuchtstage gehen.

2) Multiresistente Keime
Zum ersten Mal erfuhr ich über diese Keime in Verbindung mit TTIP und Chlorhühnen aus den USA. Die Übertragung dieser Bakterien erfolgt zwar über die Tiere (Achtung, Haustiere auch!), dennoch kommen nur 2,5% der MRSA-Keime aus der Tierhaltung. Der Rest der Bakterien sind in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu finden.

3) Tote Tiere
In den Medien werden oft tote Tiere in Ställen gefilmt. Nach Peter Wesjohann, den Chef der PHW-Gruppe, werden im Schnitt 2 bis 3% der Tiere bei Aufzucht sterben, egal ob sie zur Bio- oder konventionellen Mast gehören. Das ist natürlich. Wiesenhof konnte bis heute eine Sterblichkeitsmarke von 1,6% bei seinen Lieferanten erreichen.

4) Auslauf
Bei Massentierhaltung fallen einem als Erstes tausende gequetschte Tiere auf einer kleinen Fläche ein. Tierschutzverbände fordern mehr Platz zum Auslaufen auf. Bio-Hähnchen haben beispielhaft 4 Quadratmeter Auslauf. Hochspannend ist es, ob die (nicht wilden) Tiere diese Quadratmeter wirklich benötigen oder wie viel Platz sie brauchen. Wie soll man das feststellen?.. In einem Artikel von FAZ fand ich eine Passage aus einem Fernsehfilm, in dem Hühner endlich den blauen Himmel zum ersten Mal sehen. Dabei können sie in Wahrheit gar nicht gut sehen. Emotionen beherrschen die Welt der industriellen Tierhaltung.

Es gibt viele Akteure in diesem Spiel und jeder verfolgt seine eigenen Interessen: Hersteller, die wirtschaftlich arbeiten wollen; der Handel, der harte (niedrige) Preisangaben an seine Lieferanten bestimmt; Endkunden, denen die für industrielle Zwecke gezüchtete Tiere leid und die Preise für Bio-Fleisch wehtun. Stellt sich Deutschland auf ökologisches Fleisch um, findet es keinen Absatz im Land. Der Markt würde mit ausländischen Fleischprodukten befüllt und wie die Tiere da behandelt werden ist auch eine große Frage…

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