Belgisches Wochenende

Am letzten Wochenende war ich zum dritten Mal in Belgien, welches aber zum ersten Mal nicht mit dem Besuch der EU-Institutionen oder auf dem Weg nach Frankreich verbunden war. Das Land zeigte sich mal aus einer anderen Perspektive, die ich gern in diesem Beitrag teile.

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Morgensonne in Brügge

Haben Sie auch Orte, die Sie mit bestimmten Kontinenten sofort assoziieren? Wie Sydney mit Australien oder Singapur mit dem kompletten Südost-Asien? Belgien stand für mich immer für Europa: klein, trübes Wetter, mittelalterlich. Später war ich beim damaligen Präsidenten des EU-Parlaments Dr. Hans-Gert Pöttering, der mich mit seiner klaren Sprache beeindruckte, wurde Brüssel auf einmal dynamisch und freundlich warm. Dieses Mal wollten wir aber nicht die Hauptstadt, sondern Antwerpen und Brügge sehen und überleben (woher kommt der Spruch?).

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Museum aan den Strom in Antwerpen

Als Erstes auf unserer Antwerpener Liste stand das MAS – Museum aan den Strom, was in Deutsch „Museum am Fluss“ heißt. Keine Ahnung, was vor 2011 das Wahrzeichen von der Stadt war. Nun ist es definitiv die Gegend ums Museum, eine kleine Bucht mit extravagantem Gebäude und tollen Yachten. Oben im Museum gibt es eine große Aussichtsplattform, da stammen die meisten Bilder mit Antwerpen aus der Flughöhe. An einem Tag in Antwerpen waren wir beim MAS zwei Mal: morgens beim Laufen (eyes on the prize) und am Nachmittag schauten wir uns die Yachten und ihre Namen an. Das Favorit von Jan-Peter war „Spectre“ (die Marketologen von Bond sind die Besten); und meins – ach, beim Besitz einer solchen Maschine ist der Name ja egal 😉

Hafen Antwerpen
Hafen Antwerpen unter meinen Füßen

Antwerpen hat den zweitgrößten Hafens Europas. Auf der ganzen Hafenfläche würden 16.900 Fußballstadien reinpassen. Mir war auch die 30 km Hafenlänge zu viel für eine Rundfahrt, daher begrenzten wir uns auf einen Besuch des Hafenmuseums. Die Dimensionen sind schwer vorzustellen: täglich kommen 38 Seeschiffe, 132 Binnenschiffe und 250 Züge in den Hafen. Obst und Kaffee, die wir auf den Tischen haben, kommen höchstwahrscheinlich durch die belgischen Tore.

Tunnel 524 m
Sint-Annetunnel in Antwerpen

Was man in Antwerpen kaum findet sind Brücken. Um die Schiffahrt an der Schelde nicht zu beeinträchtigen, baute man Tunnel. Einen davon besuchten wir zu Fuß: der Sint-Annatunnel ist ein denkmalgeschützter Fußgängertunnel, der 572 m lang ist. Zum ersten Mal im Leben sah ich hölzerne Rolltreppen! Man fährt 31 m tief und durch eine Röhre mit dem 4,3 m Durchmesser geht man zusammen mit Radfahrern (!) eine halbe Kilometer. Es war drin ziemlich kuschelig. Bei überfüllten Volksfesten in der Innenstadt würde ich wahrscheinlich nicht durch den Tunnel gehen wollen.

Bahnhof von Antwerpen
Bahnhof Antwerpen-Centraal

Wenn wir schon beim Thema Transport sind, sollte ich auf jeden Fall den Hauptbahnhof Antwerpens erwähnen. Ein riesiges Gebäude mit ca. 540 Zügen am Tag. Ich denke, dass ich noch nie so einen hohen Bahnhof sah. Die 43 m hohe Halle musste damals noch die Abgase von Dampflokomotiven in Kauf nehmen.

Diamanten
Jüdische Orthodoxen in Antwerpen

Auf dem Bild sieht man (schlecht) drei orthodoxe Juden, die eilig durch eine Unterführung in der Nähe vom Bahnhof am Samstagmorgen gingen. Sie trugen eine ausgefallene Kopfbedeckung. Na ja, ausgefallen aus meiner Sicht, da ich bisher orthodoxe Juden nur zwei-dreimal an Flughafengates sah und mich daher nicht auskannte. Antwerpen wird aufgrund der Größe der jüdischen Gemeinde als „Jerusalem des Nordens“ genannt. Rund 20.000 Juden leben im Viertel um den Hauptbahnhof und beschäftigen sich mit dem Diamantenhandel. Später gingen wir an der Synagoge in der Amerikalei vorbei und trafen große, festlich angezogene jüdische Familien.

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Selbsternannte Hauptstadt der Schokolade

Diamanten Antwerpens sind zwar gut, aber Schokolade von Brügge ist eher nach meinem Geschmack. Daher ging es direkt nach Westflandern, in die „tote Stadt“. Tot war es da nicht, sondern voll mit Touristen. Am Sonntagmorgen, als wir da waren, begrüßten mich zahlreiche japanische Reisegruppen. Ich überlegte kurz, die Flagge meiner Heimat in die Hand zu nehmen 🙂 Es war jedenfalls lustig.

Belfort
Brügger Belfried

Die zentrale Sehenswürdigkeit von Brügge ist der Belfried. Es gibt noch keinen Neubau in der Stadt, der 83 m großen Turm überragt. Es diente früher als Brandwache, war aber schließlich ein Imageprodukt des reichen Bürgertums. Tja, Menschen ändern sich auch im 21. Jahrhundert nicht. Wer seine Macht präsentieren will, baut in Superlativen (hier nenne ich aber keine Beispiele aus arabischen Emiraten oder Zentralasien ;)).

Uhren
Schaufenster in Brügge

Brügge ist relativ klein, oder wir gehen zu schnell?.. In einer Stunde besuchten wir alle auf der Mappe markierten Stellen und schlenderten uns nachher ziellos durch die engen Gassen. Im Schaufenster von einem Restaurant sah ich die alten Uhren, die in Käfigen geschlossen waren. Es waren mehrere davon! Hoffe, der Besitzer deutete damit, dass man beim Dinieren in seinem Lokal über alles vergisst. Auch über die Zeit. Ansonsten ist dies ein interessanter Fall für Psychiatrie, in my humble opinion.

Strand in Blankenberge
Strand in Blankenberge

Am Ende der Reise fuhren wir auch kurz zur Küste. Zeebrügge ist ein reiner Zweckstadt, die den Hafen bedient. Blankenberge ist schon ein Stück angenehmer, aber in meiner Sicht richtig stark bebaut. Mein Fazit über die belgische Küste (hier werde ich nicht politisch korrekt): am besten genießt man die Nordsee an der holländischen Küste 🙂

Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß in Belgien.

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