Zum Bikeshedding

Ich bin wieder da! Während der längeren Blogpause bin ich umgezogen. Vom Norden nach Süden. Auch thematisch habe ich mich verändert. Seetransport wird hier nun verstärkt vorkommen. Und agiles Arbeiten ist meine letzte beste Leidenschaft!

Prolog
Vor vielen Jahren hat mich ein Kunde zur Werkleitungsrunde mitgenommen. Auf der Agenda waren die Berichte einzelner Bereiche: Produktion, Qualität, Logistik und Controlling. Erstaunlicherweise gingen die ersten Punkte richtig flott: berichtet – keine Frage gestellt – abgenickt. Eine rege und lange (60% der Meetingszeit) Diskussion eröffnete die Frage nach der Wandfarbe auf der rechten Seite der Eingangshalle. Ich wunderte mich nur: warum so viel Aufmerksamkeit für die „Nichtigkeit“ und so wenig für den Produktionsplan oder die Logistikumstellung, mein damaliges Projekt. Später stieß ich, in vielen anderen Meetings, immer wieder auf das Phänomen. Man verbrachte die kostbare Arbeitszeit damit, die Begrifflichkeiten zu definieren („Ist es Strategie oder Vision?“ – Klassiker!) oder zu entscheiden, ob eine kursive Schrift im Geschäftsbericht verwendet werden soll oder nicht. Nichtigkeiten, die das Wichtigere übertönen.

Begriff „Bikeshedding“
Der Artikel „Bikeshedding: Wenn die Nebensache zur Hauptsache wird“ öffnete mir die Augen. Der Effekt gehört zum „Gesetz der Trivialität“ von Cyril Northcote Parkinson (ja, er ist der Autor von bekannten Gesetzen!). Es besagt: „Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit ist umgekehrt proportional zu den jeweiligen Kosten.“ Der Name „Bikeshedding“ kommt von einem Beispiel, als der Finanzausschuss zwei Minuten den Bau eines 10-Millionen-Atomreaktors und 45 Minuten den Bau eines Fahrradunterstands bespricht, der nur 2000 US-Dollar kostet. Also, das Zeit- und Kostenverhältnis ist sehr, sehr fraglich.

Warum bikeshedden?
Früher ging ich davon aus, dass viele Angst haben, Position zu wichtigen Themen zu beziehen. Daher schwieg man und wurde redselig, wenn die „ungefährlichen“ Agendapunkte aufkamen. Der Autor sieht es genauso. Bikeshedding spiegelt oft die Fehlerkultur im Unternehmen wider. Lieber nicht riskieren, lieber keinen Fehler machen, lieber schweigen und erst mit Unwichtigem mutig werden. Einen zweiten Grund sieht man darin, dass nicht alle vorbereitet zu den Meetings kommen und bei entscheidenden Fragen nicht mitreden können. Aber sich melden tut man gern! Dann eben zu den Nebensachen.

Aufs Wichtige konzentrieren
Ich versuche, mich oft wie möglich zu fragen: Welche Entscheidung möchte ich vom Meeting mitnehmen? Also, die gehypte „Achtsamkeit“ hilft mir gegen aktives Bikeshedding. Der Blogautor Dirk Bathon bietet eine Reihe von Lösungen wie die Fokussierung durch Konfrontation, Meinungsfragen vermeiden oder Lösungen für „triviale Probleme“ mit dem Vorgesetzten im Vorfeld absprechen. Neu für mich waren auch die Ideen der „Auftragsklärung“ und des „Themenparkplatzes“. Bei der ersten klärt man vorab die Erwartungen aller Akteure ab, und nicht nur vom direkten Auftraggeber. Der „Themenparkplatz“ ist ein einfaches Mittel, um alle Themen, die zur wichtigen Diskussion nicht gehören, zu speichern. Somit hütet man den Flow des Meetings, das die Hauptsache klärt.

Ich wünsche Euch allen effektive und fruchtbare Meetings ohne Nebensachen 😊

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