Notizen vom letzten Astana-Besuch

Notiz 1

Flughafen von Astana, seit kurzem trägt er den Präsidentennamen

Gestern Nachmittag hob unsere Air Astana-Maschine zurück nach Frankfurt ab. Ich blickte aus dem Fenster und konnte zu meiner Überraschung das Expo-Gelände sehen. Das Gelände liegt am Rande der Stadt, danach kommt nichts mehr – nur die eingezuckerte, weiße Steppe. Erst vorgestern schlenderten wir durch den achtstöckigen Kasachstan-Pavillon, der jetzt als wissenschaftliches Ausstellungshaus zum Thema Energie fungiert.

Expo 2017 in Astana

Ein Riesengebäude mit einer beachtlichen Menge an Personal: mindestens zwei Sicherheitsmitarbeiter, zwei Putzfrauen und zwei Supervisor in jeder Etage! Die Cafés auf dem Gelände wirkten menschenleer; nach Erzählungen meiner Verwandtschaft können die Lokale nach der Expo-Schließung ihre Säle nicht mehr füllen. Astana scheint das gängige Expo-Gastgeber-Schicksal zu teilen. Oder bin ich zu früh zu pessimistisch? Anfang des Jahres kam auf mich eine offizielle Person zu, um über ein Logistikzentrumkonzept auf dem Expo-Gelände zu sprechen. Die Logistik scheint aber auch in Kasachstan nicht sexy genug zu sein. Oder mit wenig Außenwirkung: Finanzzentrum klingt besser als Distributionszentrum. Man plant das Gelände in ein Finanzzentrum umzuwandeln; wie ich verstanden habe, sollte es eine Mischung aus einer Steuer-Oase und einer freien Wirtschaftszone werden. Ich drücke die Daumen. Milliardenschwere Pavillons dürfen in einem relativ armen Land nicht nur einmal benutzt werden.

Notiz 2
Bodypositive ist die kasachische Hauptstadt nicht. Auf der Hauptflusspromenade installierte man Metallfiguren, die das Laufpublikum (?) symbolisieren sollten. (Moderne Kunst überfordert meine Vernunft!). Dortige Frauenfiguren sind krankhaft dünn, alle! Der Schlankheits- und Schönheitswahn in meiner alten Heimat überrascht mich jedes Mal. In der kasachischen Instagram-Welt sind tausende Online-Shops entstanden, die Pflege- und Make-up-Produkte verkaufen. An jeder Ecke in Astana findet man einen Schönheitssalon. Ein spontaner Besuch ist kaum möglich, die Termine sind lange im Voraus vergeben. Aussehen ist nicht alles, aber etwas Wesentliches in dieser Mentalität. Am Donnerstag saßen wir gemütlich in einem Restaurant im Regierungsviertel und beobachteten um uns herum die fein angezogenen Herren und Damen in langen Kleidern. Wir fragten meinen Bruder, ob eine geschlossene Gesellschaft heute was feiert. „Nein, man geht hier so aus.“ erwiderte er und erzählte davon, wie sich die Frauen für ein Abendessen am Wochenende professionell Haare und Gesicht machen lassen. Ich erinnere mich dabei an meine Mama, die mich vor jedem Besuch in den Semesterferien klar instruierte: „Nimm bitte gescheite Kleidung nach Astana mit“ (sprich nicht nur Sneakers, aber auch Stöckelschuhe). Glitzer, Gold, Prunk: „Shine bright like a diamond“. Ich bewundere diese bildhübschen Frauen und Männer – hoffentlich halten sie diesen Druck noch lange aus.

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