Ramadan Challenge: Woche 3

Noch acht Tage – dann erreicht Ramadan sein fulminantes Ende!

Gestern war ein wunderbarer Tag: am Vormittag haben wir gesportelt hier und mit diesem empfehlenswerten Trainerteam. Am Nachmittag waren wir wählen, wie viele andere. Das ist so gut! Die hohe Wahlbeteiligung war aus meiner Sicht eine sehr gute Tat während Ramadan – danke, Deutschland 😉

Letzte Woche saß ich mit meiner Liste und musste innerlich ein Fuck-up-Event abhalten. Die Punkte wie „Blut spenden“ und „Alleinstehende Nachbarn zum Kaffee einladen“ kann ich während Ramadan eigentlich gar nicht machen. Mit Blut ist klar – dehydriert komme ich da nicht hin und nicht weiter. Mit der Nachbarin, die wir so gern bei uns zu Kaffee und Kuchen (red velvet!) haben wollen, wird es unhöflich, wenn ich am Tisch sitze, nur den Kaffeegeruch einatme und sonst nichts anfassen kann. Blöd gelaufen, die Planung. Verschieben wir auf die Post-Ramadanzeit.

Ansonsten konnte ich folgende Aufgaben der Challenge aus der Liste streichen:

+++ Sachspenden an die Asylheim
Das war für mich offen gestanden ein Schritt aus meiner hygge-Komfortzone. Ich war noch nie in so einem Heim. Als ich den Hausmeister gesucht habe, dem ich die Bettwäschen-Sets übergeben wollte, ging ich durch einen langen Korridor mit den einzelnen Wohnungen. Draußen sah ich auch einzelne Häuser, vermutlich für die Familien. Es waren andere Sprachen um mich herum, neugierige, aber freundliche Blicke, bunte Kleider und mit Papier zugeklebten Fenster. Diese Leute verlassen ihre Häuser, ihre Familien, ihre Vergangenheit nicht freiwillig. Nein, kein Mensch verlässt seine Heimat, um in so einem, auch gut gepflegten, Heim zu wohnen. Ich dachte noch lange nach – als ich zu Hause war, übergab mich eine tiefe Dankbarkeit.

+++ Plogging
Laufen und Müll sammeln – den Trend aus Schweden probierten wir letzte Woche aus. Unser Fang war nicht viel Verpackung, wie wir es vorher vermutet haben, sondern viele Kippen. Meistens an den einsamen Stellen, wo das Gesellschaftsauge mit ihrer Moral nicht hinguckt.

Plogging soll auch in Deutschland zum Trend werden.

Die Handschuhe auf dem Bild sahen wir schon wochenlang neben dem Teich liegen. Was hätte dann jede/r gedacht, die/der vorbeigekommen ist und sie gesehen hat? „Sie werden sich schon biologisch abbauen“ (1000 Jahre? – Anmerkung zhreibt) oder „Die Gemeinde soll reinigen, warum denn ich?“. Ich spekuliere und ärgere mich ein wenig über die Ignoranz. Aber was soll’s.

+++ Einer Tafel helfen
Findet ihr es auch traurig, dass es in unserem Land, wo Tonnen an Lebensmittel entsorgt wird, noch die Tafeln gibt? Generell sind für mich die Tafeln ein Versagen unseres politischen und wirtschaftlichen Systems – aber heute geht es nicht ums Meckern, sondern darum, wie wir es ändern können. Die lokale Tafel konnte ich schnell finden. Am Telefon erzählte mir die Leiterin, was sie in der Tafel am meisten braucht. Käse, Wurst – diese werden selten von den Supermärkten gespendet. Das Brot kauften wir nach, weil das Brot immer zu gebrauchen wäre und wenn ich jemandem Essen geben möchte, dann sagt das in mir installiertes Gesellschaftsgedächtnis: Brot.

Unsere Spende

Später erfuhren wir, dass die Hygieneartikel auch gebraucht werden. Ja, klar, wenn es Menschen an Geld fehlt, die Lebensmittel zu kaufen, dann reicht es auch nicht für alles andere, was man täglich braucht.

Am Samstag kamen wir in der Aufnahmezeit an der Tafel an. Zweimal pro Woche wird das Essen an die Bedürftige ausgegeben. Das Essen kann man auch an diesen zwei Tagen anliefern. Die Tafelleiterin war freundlich, nahm unsere Sachen entgegen und schlug spontan vor, uns die Räumlichkeiten zu zeigen. Dabei gab sie uns eine Einführung, wie eine Tafel in Bayern funktioniert (ja, es gibt Landesunterschiede). Jetzt weiß ich:

  • die Supermärkte sind in Bayern nicht verpflichtet, die Lebensmittel an die Tafel zu spenden. Obwohl die anderen diese selbst abholen und eigentlich die Entsorgung der Produkte übernehmen, deren Haltbarkeitsdauer ausläuft und abgelaufen ist (bis zu 1 Woche kann man diese noch verzehren, die ewige „best before“-Diskussion). Die Leiterin zeigte uns einen bestimmt 10 Meter langen Tisch mit frischem Obst und Gemüse. „Das alles hätte man einfach weggeschmissen!“
  • Viele Tafeln sind organisatorisch an einer Kirche angeschlossen, sollen sich aber selbst finanzieren.
  • Die Tafel wird als eine Gastronomie betrieben und das Gesundheitsamt stellt die gleichen Anforderungen an Sauberkeit wie an ein Café oder ein Restaurant. Laut unserer Gesprächspartnerin gelten für die Supermärkte aber andere Regeln, die weniger streng seien.

Unsere lokale Tafel hat einen teuren, aber notwendigen Kühltransporter, mit dem sie die Lebensmittel abholt. Leider gibt es immer wenige Helfer*innen, die den Transporter fahren können – sie sucht vergeblich nach Fahrer*innen und es meldet sich keine/r. Diese Frage beschäftigte uns noch lange, ein paar Ideen gibt es schon – vielleicht kann ich in einem künftigen Blogbeitrag davon berichten.

Der Besuch machte uns nachdenklich, auch dadurch, dass die Anzahl der Rentner*innen im „Kundenstamm“ wächst. Aber auch glücklich: es ist so wunderbar, wie sich die Leute leidenschaftlich engagieren, den anderen zu helfen. Meine Helden von Ramadan und überhaupt.