Ramadan Challenge: Woche 4

Morgen ist der letzte Fastentag! Ah, kaum zu glauben.

Hoch die Hände!

Die vierte Woche war durchwachsen. Die Kräfte verlassen mich Stück für Stück. Vielleicht wegen des Schlafmangels – lange Abende, kurze Nächte – tagsüber wird man innerlich und äußerlich still. Gerade eben hörte ich in dem Podcast „Good muslim, bad muslim“, dass die Menschen mit sehr hohem Leistungswunsch während Ramadan am meisten durch Zweifel, Versagensängste und Schuldgefühle geplagt sind. Weil sie nicht „liefern“ können, wie es davor war. Weil man schlichtweg keine Energie dafür hat. Ich finde es so gut, dass diese Themen endlich öffentlich diskutiert werden. Fasten ist auf dem Podest mit den wichtigsten spirituellen Tätigkeiten, hat aber in der Umsetzung ganz banale Hürden und menschliche Nebeneffekte. Oder: die extremen Bedingungen verstärken es, was man immer schon mit sich selbst trug, und spulen es mit einer Wucht an die Oberfläche.

Erwähnenswert finde ich vergangene Woche nur einen Punkt (Klein-Gutmenschkram beiseite 😉). Auf meiner Liste stand ein Besuch im Altenheim an. Das war die Theorie. In der Praxis lief es nicht so schnell, wie ich es mir vorstellte: ich rufe bei einer Seniorenzentrum an, frage, ob es jemanden im Haus gibt, der/die keine Besuche bekommt und ob ich es einmal übernehmen könnte. Zunächst war die Person, die für das Ehrenamt zuständig ist, zwei Wochen im Urlaub. Später hatte ich ein Vorstellungs- und Einführungstelefonat. Nach unserem Gespräch recherchierte meine Ansprechpartnerin intern, in welchem Haus ein „Besuchsdienstbedarf“ ist. Ein Tag später bekam ich die Liste der Häuser und die jeweiligen Ansprechpartner, mit denen ich auch einen Vorstellungstermin haben sollte. Das klingt gerade ein wenig bürokratisch und unpersönlich, aber ist es nicht. Es dauert, aber alle Ansprechpartnerinnen waren äußerst freundlich und hilfsbereit. Mein Punkt ist: genug Zeit und Geduld einplanen. Es geht um Menschen, oft pflegebedürftige. Deswegen prüfen die Kolleginnen eure Absichten, euren Hintergrund (keine Straftaten zum Beispiel) und einfach, ob es auch von der Persönlichkeit stimmt. Am letzten Mittwoch besuchte ich eine Senioreneinrichtung, hatte ein langes Gespräch mit einer jungen und starken Ansprechpartnerin, die mit mir auch einen Rundgang durchs Haus machte. Höchstwahrscheinlich helfe ich bei den Gruppenangeboten samstags – das überlege ich jetzt.

Eine Begegnung im Haus machte mich nachdenlich, fast wehmütig. Im Haus gab es einen abgesperrten Teil für die Demenzerkrankten mit der Weglauftendenz. Das heißt, die Patienten da wollen weg und dürfen das nicht. Wir kamen an der Tür zum Abteil gerade vorbei, als eine Pflegerin da reinwollte. Die Menschen strömten zur Tür entgegen. Durch die Glastür gestikulierten und sprachen sie energisch, dass sie raus wollen. Kein einfaches Bild. Ich dachte, dass das Gedächtnis oder ein klarer Verstand unser tägliches Geschenk von oben ist. Ein krasses, wuchtiges, unbezahlbares Geschenk.

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