Levi Strauss in Buttenheim

Ein paar Einblicke ins Leben von Levi Strauss aus Oberfranken

Mein ganzes Leben habe ich Levi’s als [li:wais] ausgesprochen. Einmal war ich in einem Jeans-Laden in Frankfurt und die Verkäuferin brachte mir [le:wis]. Zum Glück kannte ich den roten Schriftzug.

Die Geschichte der Firma interessierte mich nie, bis ich nach Oberfranken zog. Da las in einer Wanderrouten-Guide über den Geburtstort von Levi Strauss – Buttenheim. „Wow, ein Weltstar von nebenan“ dachte ich mir. Anfang Juli besuchten mein Mann und ich endlich den kleinen Ort und das Geburtshaus des bekanntesten Franken.

In diesem Zimmer wohnten 9 Personen der Familie Strauss

In Deutschland hieß Levi noch Löb. Er stammte aus einer jüdischen Familie. Sein Vater verkaufte Stoffe als Hausierer. Heute wäre es gar nicht möglich gewesen: er müsste bestimmt mehrere Zustellversuche vornehmen. Die Hausierer gehörten zur Unterschicht der Gesellschaft. Die Juden auch – damals wurde die Anzahl der Familien per Ort streng reguliert. Die Armut und die Unfreiheit zwangen viele in die USA auszuwandern. So taten es auch die älteren Brüder von Löb. Nach dem Tod des Vaters flohen auch Löb, seine Mutter und Schwester über Bremerhaven nach New Work. Meckert nächstes Mal bitte nicht über die Baustellen auf A7 zwischen Hannover und Bremen – die Reisedauer von Löb dauerte länger, ganze 10 Tage!

Die Geschichte aller Auswanderer scheint mir ähnlich zu sein. Wenn man schon in ein anderes Land auswandert, dann ist auch egal, wie oft man in der neuen Heimat umzieht. Levi folgte dem Goldgeschäft und zog aus New York nach San Francisco. Er war ein Händler für Stoff und Kurzwaren. Interessant fand ich, dass nicht er der Erfinder der Jeans war, sondern ein lettischer Schneider Jacob Davis. Er wandte sich an Levi , da er für die Anmeldung des Arbeitshosen-Patents nicht genug Geld hatte.

Jeans-Patent

Ein weiterer Europäer machte den Siegeszug der Jeans möglich. BASF bringt 1897 ihr „Indigo rein BASF“ auf den Markt. Ab jetzt wird die Farbe nicht aus pflanzlichen Stoffen gewonnen, sondern künstlich hergestellt.

Indigo, der König unter den Farbstoffen

Zuerst hießen die Jeans „Waist-Overalls“ und waren wiederstansfähige Arbeiterkleidung. In einem Interview mit der Jeans-Historikerin (!) habe ich gelesen, dass Levi selbst keine Jeans getragen hatte. Denn: „Er war ja kein Arbeiter.“

Werbeplakate für Overalls

Noch ein paar Bilder aus der wirklich sehenswerten Dauerausstellung.

Sexistische Werbung von „Miss Levi’s“

Levi Strauss hatte keine Kinder und hinterließ die Firma den Kinderns seiner Schwester. Er war ein bekannter Mäzene und unterstützte viel die Hilforganisationen für Waisenkinder.