Germanisches Nationalmuseum

Ich habe es tatsächlich geschafft! Seit zwei Jahren fahre ich am Germanischen Nationalmuseum (GNM) vorbei und nun endlich besuchte ich diese bekannte kulturgeschichtliche Organisation.

Warum unbedingt das „Vaterland“?
Deutschland als eine starke Frau im GNM

Der Grund dafür waren ein paar freien Tage und der sogenannte „sanfte Tourismus“, den ich gerade auslebe: direkte Umgebung erkunden, keine Fliegerei, bewusst und ohne Hetze, möglichst viele Orte abzuklappern.

Das GNM ist der Geheimtipp von Nürnberg. Sehr günstig gelegen – vom Hauptbahnhof nur wenige Schritte entfernt. Noch daheim schaute ich mir das Angebot an und war von der Auswahl überwältigt, entschied mich „nur“ für die Dauerausstellung. Haha – an der Kasse sagte mir die freundliche Mitarbeiterin, dass das Ticket für alles gilt und da hatte meine hungrige Entdeckerseele keinen Halt mehr. Dieses Mal nahm ich mein Notizbuch mit, um das neue Wissen festzuhalten, und dies ist mein ultimativer Protipp: Macht das auch. So erlebt ihr das Gesehene noch intensiver! Wirkt zugegeben „nerdig“, lohnt sich aber.

Als ich vor einem Monat vom Palmengarten in Frankfurt schwärmte, dies sei ein perfekter Ort, die Achtsamkeit zu üben, dann ist das GNM ein Ort, die Toleranz aufblühen zu lassen. Mein grobes Fazit: ihr werdet im GNM noch mehr verstehen, wie die Kulturen stark miteinander verknüpft sind. Die eine hat die andere beeinflusst. Es gibt keine „Reinheit“ in den einzelnen Ländern, Nationen oder Kulturen – wir alle kommen aus einem Teich, einem buntgemischten Sammelbecken, und das ist schön.

Ein paar Bilder von meinem intensiven zweistündigen Besuch:

1) Die Wand mit den Strassenschildern aus Ost-Berlin vom Installations- und Objekt-Künstler — Raffael Rheinsberg.

2) Während des 2. Weltkrieges wurden viele Ausstattungsstücke des 19. Jahrhunderts zerstört. Das Museum rettete, was noch zu retten war und bildete die verlorenen Stücke nach. Ich mag das Muster unten auf dem Bild.

3) Heroldsrock, die Fahne Karls der Großen.

4) In der Abteilung für Mittelalter ist Jesus leicht untertrieben sehr präsent ;) Was für mich neu war, dass er nicht immer leidend dargestellt wurde. In der Spätantike gilt es als ein Ereignis, was menschlichen Tod übersteigt. Seit dem12. Jahrhundert verschob sich die Betonung auf das Leiden.

Kruzifix mit nicht leidendem Jesi

5) In der Sonderaustellung zur Forschung erfuhr ich über den Wurstbügel, welcher früher als „Wurstmaß“ bekannt war. Später entdeckte man seine „echte“ Funktion. Das war ein Hilfsgerät zur Herstellung von Würsten, bei der der (Wurst-)darm durch das Öhr gesteckt und mit dem Inhalt befüllt wurde.

6) Wusstet ihr, dass die privaten fürstlichen Galerien die Vorläufer heutiger Museen waren? Hier ist ein Bild, wie es ungefähr ausschaute.

7) In der Sonderausstellung zu Helden gab es eine Mitmachaktion. Jede(r) Besucher*in kann große, kleine und Antiheld*innen auf einer Karte aufschreiben. Diese Heldin schrieb ich auch auf. Falls ihr euch beim Zugucken nicht wohlfühlt, hier gibt es eine Help-Hotline :P

Schaut bei Gelegengeit im GNM vorbei — mir gefiel es dort sehr.