Stress Management

Das neue Video (auf Englisch mit deutschen Untertiteln) ist online.

Transkript zur Folge

Hallo zusammen. Ich habe heute das nächste Video zur Stressbewältigung gemacht, zu den vorhandenen 5 Millionen im Internet. Ich beziehe mich aber auf die Lehre von Viktor Frankl und er hatte eine eigene Meinung zum Thema „Stress“. Eine wenig Populäre, vielleicht weil man damit auch kein Geld verdient hat.

Was ist heute der Mainstream-Gedanke im Stressmanagement? Wenn wir nach dem Wort „Stress“ suchen, dann erscheinen in der Suche Angebote zur Entspannung. Die häufige Botschaft ist, vermeide Stress – gönn dir Wellness. Stressbälle, Aromatherapie, geführte Meditationen oder Badesalz – alles gut und wirksam, aber nur punktuell. Sie wissen auch, mit welcher Geschwindigkeit der Erholungseffekt vom Urlaub am ersten Arbeitstag verpufft. Bei vielen: sehr schnell.

Ich habe mich öfter gefragt: Gibt es denn ein nachhaltigeres Mittel, wie ich mit den Belastungen umgehen kann? Frankl hat mir bisher drei Dinge beigebracht.

Nummer 1: Es gibt kein Leben ohne Belastung.  Das war schwer zu akzeptieren, da ich andere Bilder im Kopf trug: entspannte Gesichtszüge, ständiges Lächeln wie Dalai Lama und viel Glück, was mir in den Weg gelegt wird. Es kann passieren, aber es ist nicht so. Wer lebt, hat Stress. Und das ist gut so! Stress hält uns lebendig, hält die Spannung im Leben. Es gibt auch positiven Stress (Eustress), wenn man etwas gewonnen oder erreicht hat. Davon wollen wir uns nicht verabschieden 😉

Nummer 2: Das Paradoxon „Wer nach Entspannung jagt, verjagt sie“. Entspannung darf selbst nicht als Ziel dienen. Haben Sie schon mal probiert, schnell einzuschlafen? Wir können Zustandsgefühle nicht intendieren – sie kommen einfach nicht. Frankl sagt: geht über eine Sache, über einen Gegenstand. Zum Beispiel: hört Euren Herzensschlag, Eure Spotify-Playlist, schaut in den Himmel, beobachtet die Vögel im Garten oder arbeitet im Garten. Entspannung, Freude, Glück oder sogar Erfolg sind nur Nebeneffekte einer Aufgabe, einer Tätigkeit. Oder ich sage auch: Geschenke. Geschenke können wir nicht fordern, sie werden uns geschenkt.

Nummer 3: In einem Augenblick nur die Aufgabe des Augenblicks erledigen. Stress entsteht oft, dass wir eine Aufgabe erledigen, aber im Kopf bei vielen anderen Themen sind. Die Energie wird gestreut. Die aktuelle Aufgabe erledigen wir langsamer, sind dadurch gereizter und am Ende von unserer Effektivität enttäuscht. Wir wissen immer im Inneren, was wir im Moment zu tun haben. Und das sollen wir tun. Eine Aufgabe nach der anderen. In der Neurowissenschaft heißt es seit Langem: Onetasking ist fürs Gehirn gesünder als Multitasking.

Am Ende auch die Balance nicht vergessen. Es gibt die Zeit für die Arbeit, aber auch die Zeit für die Erholung. Frankl unterscheidet zwischen „Vita activa“ (intensiv denken, etwas kreieren) und „Vita contemplativa“ (ausruhen, in die Natur gehen oder mit Freunden oder Familie Zeit verbringen). Das ist keine neue Sache – das ist Yin und Yang, Wechsel zwischen Tag und Nacht, die Dualität des Lebens, die auch in der heutigen Zeit sehr wichtig ist.