Kleines bisschen Ich

Warum haben Sie Angst? Es geht doch um das Thema, nicht um Sie.

Das neue Video finden Sie auf YouTube. Das Transkript ist unten.


Ich bin in letzter Zeit ziemlich müde von den vielen Videokonferenzen. Neulich habe ich über eine Untersuchung zur Zoom-Müdigkeit in Stanford gelesen. Es wurde rausgefunden, dass es ermüdend ist, das eigene Bild im Bildschirm dauerhaft anzuschauen. Ständig denken wir, wie wir auf andere wirken. Elisabeth Lukas, eine bedeutende Logotherapeutin, nennt es scherzhaft: „Angst um ein kleines bisschen Ich“. Heute erzähle ich davon, wie ein Stück Selbstdistanz uns im Leben helfen kann. Also, es geht um die Selbst-Transzendenz.

„Trans, was? Was ist für ein Quatsch?“, können Sie sich gerade fragen. Ich soll doch bei mir bleiben, auf mich hören. Me, myself and I.  Ja, es ist richtig und wichtig. Aber ein ständiger Fokus auf selbst verbraucht Energie und gibt nur Zweifel und Angst zurück. Zum Beispiel, wenn wir uns permanent fragen, wie die anderen uns sehen oder was sie über uns denken. Das ist Verschwendung pur: Es liegt sowieso außerhalb unserer Kontrolle, wie die Menschen ihre Meinung über uns bilden.

Eine kurze Geschichte, die meiner Bekannten passiert ist. Sie wurde auf eine große Konferenz eingeladen, um über die Forschung von Viktor Frankl zu referieren. Sie hat zugesagt, war aber unsicher: großes Publikum, großer Saal, Videoaufnahme. Sie war kurz davor abzusagen. Da fragte ihre Dozentin: „Warum haben Sie Angst? Es geht doch um das Thema, nicht um Sie.“ Auf einmal waren die Sorgen weg. Auf einmal konzentrierte sie sich auf die Inhalte. Ist es nicht ein toller Tipp für Ihre Präsentationen, Live-Streams, Meetings? Wenn wir uns auf die Sache fokussieren, und nicht drauf, ob wir intelligent, erfahren oder hübsch wirken, dann verteilen wir Energie richtig.

Eine Spur von Selbstvergessenheit

Elisabeth Lukas sagt: „Das Glück ist stets an eine Spur von Selbstvergessenheit gebunden“. Wenn wir intensiv arbeiten und etwas schaffen, wenn wir Musik hören, die uns ergreift oder einen schönen Sonnenuntergang bewundern – dann denken wir nicht an uns, aber wir sind bei uns. Das ist auch der bekannte „Flow“-Zustand. Zusammengefasst: Erlauben Sie sich, einer Sache, einer Tätigkeit, einem Naturerlebnis zu widmen. Erlauben Sie Ihrem „Ich“ in die Welt zu gehen.